Das Steuer und die Lupe – Band 9b
Kleine Betriebe — Prüfen, wo jeder alles macht · Internes Audit, Klassifizierung, Zeichen und Zertifizierung in Häusern ohne eigene Koordination · Harmonisierte Struktur der Managementsystemnormen, ISO 19011:2026 und ISO/IEC 17021-1:2015 · Rechtsstand D · A · CH: 24. Oktober 2026
Das interne Audit und alle Prüfungen von außen in einem Haus, in dem jeder alles macht: vom Kreuzaudit zwischen zwei Nachbarhäusern bis zu Klassifizierung, Umweltzeichen und Zertifizierung. Dreißig Abschnitte, Fälle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
In einem großen Hotel prüft eine Abteilung die andere. In einer Pension mit vierzehn Zimmern gibt es keine Abteilungen. Die Inhaberin führt das Frühstück, die Buchungen, die Mitarbeitenden und die Mappe, und wer hier ein internes Audit macht, prüft meist die eigene Arbeit. Band 9b nimmt diese Lage ernst und fragt, wie ein kleines Haus trotzdem ehrlich geprüft werden kann, von innen und von außen.
Kapitel 3, «Die Lupe im eigenen Haus», behandelt das interne Audit ohne Auditabteilung:
das Kreuzaudit zwischen zwei Häusern, mit Vereinbarung, Vertraulichkeit und festen Grenzen;
den externen Auditor auf Zeit;
ein Auditprogramm für ein Haus mit zwei Saisons;
Auditmethoden ohne Büro, also Rundgang, Gespräch und Beleg;
das Audit der Rechtspflichten ohne Juristen;
das Audit in der Familie, wenn die Mutter geprüft wird;
Feststellungen, die eine Familie lesen kann;
den Bericht an die Inhaberin, die zugleich geprüft wurde;
die Nachverfolgung in der nächsten Saison.
Kapitel 4, «Die Lupe von außen», ordnet alle, die mit einem Prüfauftrag ins Haus kommen. Das sind die Behörde, die Klassifizierer von Hotelstars, WKO und HotellerieSuisse (Guesthouse), die Träger von Zeichen wie dem Österreichischen Umweltzeichen und dem EU-Ecolabel, Programme ohne Zertifikat wie Swisstainable und schließlich die Zertifizierungsstelle nach ISO/IEC 17021-1 mit Stufe 1 und Stufe 2. Das Kapitel zeigt, welcher Nachweis zu welchem Haus passt und was Gruppen und Cluster leisten können. Es zeigt auch, was ein Haus seit den neuen Regeln gegen Greenwashing mit einem Zeichen in der Werbung sagen darf und was nicht. Am Ende stehen die Kosten im Vergleich und die Frage, was bleibt, wenn eine Urkunde endet.
Jeder Abschnitt beginnt mit einem Fall aus einem kleinen Haus in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Es folgen das Problem, das Prinzip, die Anforderungen und die Rechtslage in den drei Ländern, eine Modellrechnung und eine Prüf-Checkliste. Ein Tiroler Gasthof in Alpbach begleitet das ganze Buch, vom ersten Gespräch über das Kreuzaudit bis zur neuen Urkunde im Flur. Alle Angaben folgen dem Verifikationspakt der Reihe: Jede Aussage über Norm, Recht oder Katalog geht auf ihre Quelle zurück. Der Rechtsstand ist der 24. Oktober 2026.
Band 9b schließt die Reihe «Das Steuer und die Lupe» in ihrem ursprünglichen Plan ab. Zusammen mit Band 9a, der den Aufbau eines Systems im kleinen Haus behandelt, bildet er das neunte Paar. Dieses Buch ist keine Beratung und keine Sammlung fertiger Formulare. Es zeigt, wie man ehrlich prüft, auch wenn alles in einer Hand liegt.
Auf buecher.effedore.com stehen zu jedem Abschnitt Arbeitsmaterial, die Prüf-Checklisten, die Modellrechnungen als Excel und die dreißig Konzeptuellen Karten in voller Auflösung bereit.
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DACH-Ausgabe
Inhalt
Die vollständige Struktur des veröffentlichten Bandes.
- Vorwort.
- 3.1 Wer prüft, wo jeder alles macht: Unabhängigkeit im kleinen Haus.
- 3.2 Das Kreuzaudit zwischen zwei Häusern: Vereinbarung, Vertraulichkeit, Gegenseitigkeit
- 3.3 Der externe Auditor auf Zeit: Auswahl, Auftrag, Kosten.
- 3.4 Das Auditprogramm für ein Haus mit zwei Saisons.
- 3.5 Auditmethoden ohne Büro: Rundgang, Gespräch und Beleg.
- 3.6 Das Audit der Pflichten: die Liste der Rechtspflichten prüfen ohne Juristen
- 3.7 Das Audit im laufenden Betrieb: Frühstück, Anreise und die Nacht.
- 3.8 Das Audit in der Familie: wenn die Mutter geprüft wird.
- 3.9 Ferienwohnungen und Fremdleistungen im Audit.
- 3.10 Feststellungen schreiben, die eine Familie liest.
- 3.11 Ursachen in einem Haus ohne Abteilungen.
- 3.12 Der Bericht an die Inhaberin, die zugleich geprüft wurde.
- 3.13 Nachverfolgung mit wenig Zeit: wirkt die Massnahme in der nächsten Saison?
- 3.14 Lieferanten prüfen ohne Macht: der kleine Kunde.
- 3.15 Eine Prüfkultur im kleinen Haus.
- 4.1 Wer von außen prüft: Behörde, Klassifizierer, Zeichenträger, Zertifizierer
- 4.2 Die Behörde im Haus: Kontrolle ist kein Audit.
- 4.3 Welcher Nachweis für welches Haus: die Entscheidung.
- 4.4 Die Klassifizierung als Prüfung: das Guesthouse-Audit.
- 4.5 Sterne mit Systempunkten: Beschwerden, Bewertungen und Qualitätsmanagement
- 4.6 Das Österreichische Umweltzeichen für ein kleines Haus.
- 4.7 Programme ohne Zertifikat: Swisstainable und ähnliche Wege.
- 4.8 Geprüfte Zeichen im Vergleich: EU-Umweltzeichen und andere.
- 4.9 Die ISO-Zertifizierung eines kleinen Hauses: Ablauf und Aufwand.
- 4.10 Der Zertifizierer im kleinen Haus: Stufe 1 und Stufe 2 ohne Abteilungen
- 4.11 Gemeinsam prüfen lassen: Gruppen, Verbände und Cluster.
- 4.12 Werbung mit Nachweisen: was ein Zeichen und ein Zertifikat erlauben
- 4.13 Kosten und Nutzen der Nachweise im Vergleich.
- 4.14 Wenn ein Nachweis endet: Ablauf, Aberkennung und Neubeginn.
- 4.15 Das System bleibt, die Urkunde wechselt.
- Nachwort.
- Postilla. 494
- Quellen und Forschungsmethodik. 495
- Glossar.
- Über den Autor.
- Kontakt.
- Die Schriftenreihe.
- Die Online-Plattform..
- Danksagung.
- Analytischer Index.
Leseproben
Ausgewählte Passagen direkt aus dem Hauptkatalog.
01VorwortLeseprobe öffnen
An einem Donnerstag Mitte Jänner, kurz nach neun Uhr abends, lag im Nebenzimmer eines Gasthauses im Inntal eine weiße Papierserviette zwischen zwei Wirtinnen. Christine Margreiter führt den Gasthof in Alpbach, achtzehn Zimmer, vierunddreißig Betten, eine Gaststube mit sechzig Plätzen, Familienbesitz in dritter Generation. Rosmarie Thaler führt einen Gasthof mit sechzehn Zimmern in der Wildschönau, im Tal nebenan. Christine war mit einer Frage gekommen, die sie im eigenen Dorf niemandem stellen wollte. Bei der ersten Managementbewertung im November war auf dem Blatt eine Zeile leer geblieben, die für die Ergebnisse interner Audits. Sie selbst hätte eine Mappe geprüft, die sie selbst geschrieben hatte. Ihr Sohn hätte die Arbeit der Mutter geprüft, die ihn bezahlt. Ein Berater aus Innsbruck bot einen Tag vor Ort an und einen Bericht «mit Empfehlungen zur Optimierung». Rosmarie hörte zu, nahm Christine den Kugelschreiber aus der Hand und schrieb vier Zeilen auf die Serviette: «Rosmarie prüft Alpbach. Christine prüft Wildschönau. Je ein Tag. Eine Seite Vereinbarung.» Dann sagte sie den Satz, auf dem dieser Band steht: «Aber ich sag dir dann, was ich seh. Nicht, was du hören willst, und nicht, wie ich’s selber machen tät» (3.1).
Auf der Heimfahrt dachte Christine an einen Satz aus ihrer eigenen Mappe: Jede Aufgabe hat eine Vertretung. Ob er stimmte, konnte nur jemand sagen, der keine dieser Aufgaben je vertreten hatte. Nach dem Audit Ende September stand die Antwort in Rosmaries Bericht, auf einer Seite. Die Vertretung am Empfang hatte im August getragen, aber nicht wegen des Blattes, sondern weil die Seniorchefin sie aus dem Kopf führte. Ein weiterer Befund betraf die Inhaberin selbst: Eine Durchsicht, die sie sich in der Managementbewertung vorgenommen hatte, war nie geschehen. Christine sagte, im Februar sei Hochsaison gewesen. Dann sah sie auf das Blatt und sagte: «Schreib es so hin» (3.15).
Dieser Band handelt vom Prüfen in Häusern, in denen jeder alles macht. Er ist der zweite der beiden Bände für kleine Beherbergungsbetriebe und der letzte der Reihe «Das Steuer und die Lupe». Band 9a hat ein einziges Managementsystem für Häuser gebaut, die zu klein sind, um eine eigene Koordination zu tragen: Pensionen, Gasthöfe, Boutique-Hotels, Hotels garni und Ferienwohnungen, bis etwa dreißig Zimmer oder zwanzig Beschäftigte. Band 9b fragt, wer dieses System prüft, wenn es im Haus niemanden gibt, der nur zusieht, und wer sonst noch von außen hineinschaut, mit welchem Recht oder Auftrag und mit welcher Folge.
Was an den Wänden kleiner Häuser hängt
Auch dieser Band beginnt mit einer ehrlichen Beobachtung. Wer Jahrzehnte in der Hotellerie gearbeitet hat, wie der Verfasser dieses Buches, hat viele kleine Häuser von innen gesehen. Ein zertifiziertes Managementsystem hat er in keinem davon gesehen. Gesehen hat er Urkunden von Kammern und Verbänden, die Sterne einer Klassifizierung, Ausbildungsnachweise und Schulungsbestätigungen, und in einer Schublade den Bericht der letzten Lebensmittelkontrolle. Eine Zahl dazu gibt es in den ausgewerteten Quellen nicht, und dieser Band nennt keine. Er nimmt die Beobachtung als das, was sie ist: In kleinen Häusern ist das ISO-Zertifikat die Ausnahme. Das System ist es nicht, oder es muss es nicht sein.
Daraus folgt die Gestalt dieses Bandes. Die Lupe-Bände der Reihe zu den einzelnen Normen hatten am Ende ihres vierten Kapitels fast immer eine Zertifizierung im Blick, und ihre Häuser hatten Abteilungen, die einander prüfen konnten. Beides fehlt hier. Das kleine Haus hat keine Abteilung, die eine andere prüft, und die Prüfungen, die es tatsächlich erlebt, kommen meist nicht von einer Zertifizierungsstelle, sondern von einer Behörde, einem Klassifizierer oder dem Träger eines Zeichens. Darum schaut dieser Band in zwei Richtungen. Kapitel 3, «Die Lupe im eigenen Haus», handelt vom internen Audit in einem Haus, in dem sonst jeder die eigene Arbeit prüfen würde. Kapitel 4, «Die Lupe von außen», handelt von allen, die von außen kommen, und von dem, was ein Haus mit ihren Urkunden sagen darf.
Wo jeder alles macht
Die harmonisierte Struktur der Managementsystemnormen verlangt in ihrem Abschnitt 9.2, dass eine Organisation in geplanten Abständen interne Audits durchführt. Sie legt ein Auditprogramm fest, bestimmt für jedes Audit Ziele, Kriterien und Umfang, wählt die Auditoren so aus, dass Objektivität und Unparteilichkeit des Auditprozesses gesichert sind, berichtet die Ergebnisse an die zuständige Leitung und bewahrt dokumentierte Information als Nachweis auf. Sie verlangt keinen externen Auditor und keinen Auditor mit Kurszertifikat. Sie verlangt einen Prozess, den niemand durch seine Nähe zur geprüften Arbeit verzerrt.
Im großen Haus ist das eine Frage der Einteilung: Die Rezeption prüft das Bankett, die Technik die Küche. Im kleinen Haus ist die Inhaberin oberste Leitung, Verantwortliche für das System und oft die, deren Arbeit geprüft wird. Wer einen Ablauf entworfen, geführt oder vertreten hat, prüft ihn nicht, und im kleinen Haus hat fast jeder fast alles schon einmal gemacht. Unabhängigkeit heißt hier nicht Fremdheit. Sie heißt, dass niemand die eigene Arbeit prüft (3.1).
Dafür gibt es drei Wege, und jeder hat seine Grenze. Im ersten prüfen Familienmitglieder einander, jedes nur dort, wo es selbst nicht arbeitet. In Iphofen prüfte die Tochter das Frühstück der Mutter und schrieb zu genau, der Vater die Buchung der Tochter und schrieb zu freundlich; beides war Rücksicht, nur in verschiedene Richtungen (3.8). Im zweiten prüfen zwei kleine Häuser einander im Kreuz. In Wangen im Allgäu zog ein Inhaber beim ersten Termin die Mappe zurück, weil der Vertrag mit einem Veranstalter obenauf lag, und die Prüferin aus der Pension gegenüber fragte, was sie mit dem tun solle, was sie schon gesehen hatte (3.2). Im dritten kommt eine Auditorin auf Zeit. In Adelboden strich ein Gastgeber zwei von drei Positionen ihrer Offerte, nachdem sie ihm selbst gesagt hatte, dass sie nicht prüfen sollte, was sie aufbaut (3.3). Rücksicht in der Familie, Wettbewerb und Vertraulichkeit zwischen Häusern, Kosten und Fremdheit bei einem Auftrag nach außen: Kein Weg ist ohne Grenze, und die Frage ist, welche Grenze ein Haus am besten auffangen kann.
In dreizehn der fünfzehn Fälle des dritten Kapitels trägt das Kreuzaudit zwischen zwei Häusern. Das ist eine Entscheidung dieses Buches und keine Forderung der Norm. Drei Methoden kommen hinzu, und der Band nennt sie jedes Mal Methode: mindestens ein Audit im Jahr im laufenden Betrieb, beim Frühstück oder bei einer Anreise (3.7); das Kreuzaudit nur mit einer schriftlichen Vereinbarung über Umfang, Vertraulichkeit, Gästedaten und Gegenseitigkeit (3.2); ein Bericht von einer Seite, mit dem Schluss zuerst (3.12).
Eine Regel gehört nicht zur Methode, sondern zum Recht. Wer prüft, auch die Kollegin aus dem Nachbartal, sieht Gästedaten nur im erforderlichen Umfang und mit geklärter Rechtsgrundlage. Eine Vertraulichkeitsvereinbarung ergänzt diese Klärung, sie ersetzt sie nicht. Gesundheitsangaben von Gästen, etwa eine Allergie auf einem Buchungszettel, schaut die Prüferin nicht ohne Not an (3.2, 3.10, 3.15).
Wer von außen kommt
In Füssen standen in einem einzigen Frühjahr sechs Termine im Kalender eines Gasthofs mit einundzwanzig Zimmern: eine Nachkontrolle der Lebensmittelüberwachung, ein Besuch der Berufsgenossenschaft, die Feuerbeschau nach dem Umbau, die Hotelklassifizierung, eine mögliche Prüfung für ein Umweltzeichen und das Telefonat mit einer Zertifizierungsstelle. Die Inhaberin wollte sich auf alle mit derselben Mappe vorbereiten, zwei Zentimeter dick. Dann hörte sie am Telefon den Satz «Beraten dürfen wir Sie nicht» und merkte, dass sie für die Hälfte ihrer Besucher nicht wusste, wer von ihnen dem Haus etwas vorschreiben darf (4.1).
Wer von außen in ein kleines Haus kommt, hat eine von vier Rollen. Die Behörde setzt Recht durch. Sie prüft, ob gesetzliche Pflichten erfüllt sind, kommt, wann ihr Recht es vorsieht, und kann anordnen. Der Klassifizierer prüft nach seinem eigenen Katalog, was der Gast an Ausstattung und Dienstleistung vorfindet, und vergibt eine Einstufung. Der Träger eines Zeichens prüft nach seinen eigenen Kriterien, meist zu Umwelt oder Nachhaltigkeit, und erlaubt dem Haus, das Zeichen zu führen. Die Zertifizierungsstelle prüft ein Managementsystem gegen eine Norm, nach Regeln, die die Stelle verpflichten und nicht das Haus; sie darf nicht beraten, und über das Zertifikat entscheidet jemand, der nicht auditiert hat.
Aus diesen Rollen folgen vier Sätze, die das ganze vierte Kapitel tragen. Eine Kontrolle ist kein Audit: In Retz verließ der Kontrolleur das Haus ohne wesentliche Beanstandung, und gesehen hatte er von acht Zeilen des Auditprogramms die Hälfte der ersten (4.2). Eine Klassifizierung ist kein Zertifikat: In Solothurn prüfte die Auditorin des Verbands einen Katalog, in dem jedes Kriterium gilt, und wählte vor der Haustür die Nummer für die Nacht (4.4). Ein Zeichen ist kein Managementsystem: In Feldkirch belegte das Österreichische Umweltzeichen die Kriterien seiner Richtlinie, und die Sätze daneben auf Website und Speisekarte trug es nicht (4.12). Und ein Zertifikat ist keine Garantie für jede Leistung: Es bestätigt ein System in seinem Geltungsbereich, für einen Zyklus von drei Jahren, mit Überwachung in jedem Kalenderjahr (4.9, 4.10).
Neben den vier Rollen steht der, der einen Nachweis verlangt. In Alpbach war es der Reiseveranstalter, der ab der übernächsten Sommersaison einen Nachweis «von unabhängiger Stelle» wollte und nicht sagte, welchen (4.3). In Hallein war es ein Automobilzulieferer mit einer Lieferantenrichtlinie (4.9), in Pontresina ein Rückversicherer mit einer Frage zwölf (4.13). Was ein Haus nachweist, entscheidet es selbst. Es entscheidet besser, wenn es zuerst fragt, wer den Nachweis braucht und wofür.
Woher die Regeln der Prüfung kommen
Die Prüfung in diesem Band steht auf Texten von verschiedenem Gewicht, und ein guter Teil der Irrtümer, die er beschreibt, entsteht, wenn ein Haus sie verwechselt.
Das interne Audit regelt der gemeinsame Kern der harmonisierten Struktur in Abschnitt 9.2. Was dort steht, verlangt jede Managementsystemnorm, die ihm folgt, von dem Haus, das ein System nach ihr führt oder sich auf sie beruft; zusätzliche Anforderungen und Abweichungen der angewandten Ausgabe bleiben zu prüfen.
Für das Handwerk des Auditierens gibt es einen Leitfaden, die ISO 19011:2026. Sie gilt in dieser vierten Ausgabe seit Mai 2026 und hat die Ausgabe 2018 abgelöst. Sie nennt sieben Grundsätze des Auditierens, empfiehlt, ein Auditprogramm nach Größe, Komplexität, Risiken und Reifegrad der Organisation zu bemessen, beschreibt die Bewertung der Kompetenz von Auditoren nach Verhalten, Wissen, Fertigkeiten, Ausbildung und Erfahrung, hat die Anleitung zu Fernauditmethoden erweitert und liefert die Begriffe, mit denen dieser Band arbeitet: Auditnachweis, Auditfeststellung, Auditschlussfolgerung. Nichts davon ist eine Anforderung. Dieser Band schreibt bei der ISO 19011:2026 nie «muss», sondern «nach ISO 19011:2026 empfohlen».
Neben ihr steht das Handbuch der ISO für kleine Unternehmen, 2016 zur Ausgabe 2015 der ISO 9001 erschienen. Es räumt ein, dass in kleinen Unternehmen jemand die eigene Arbeit prüfen muss, wenn nur er die nötigen Kenntnisse hat, und rät dann zu einem zweiten Blick; es nennt Prüfer aus einer anderen Organisation und als Beispiel einen Installateur und einen Elektriker, die einander prüfen. Das ist der Gedanke des Kreuzaudits, als Anleitung. Dieser Band ist an dieser Stelle strenger als das Handbuch: Die eigene Arbeit prüft niemand, und wo es im Haus nicht anders geht, kommt jemand von außen.
Die Zertifizierung regeln andere Texte. Die ISO/IEC 17021-1:2015 stellt die Anforderungen an Stellen, die Managementsysteme auditieren und zertifizieren, und sie ist für diesen Band im Volltext gelesen. Sie verpflichtet die Zertifizierungsstelle, nicht das Hotel, und der Band schreibt deshalb immer: Nach ISO/IEC 17021-1 muss die Zertifizierungsstelle. Daneben stehen die verbindlichen Dokumente des früheren International Accreditation Forum. Das IAF wurde zum 1. Januar 2026 in die Global Accreditation Cooperation Incorporated überführt, kurz Global ACI; seine Dokumente gelten weiter, bis die Global ACI gleichwertige eigene angenommen hat. Eines davon, IAF MD 1:2023, regelt die Zertifizierung von Organisationen mit mehreren Standorten und schließt Verbünde unabhängiger Betriebe ausdrücklich aus (4.11). Ob eine Stelle nach diesen Regeln arbeitet, überwacht für die Normen ihres Geltungsbereichs eine Akkreditierungsstelle: in Deutschland die DAkkS, in Österreich Akkreditierung Austria, in der Schweiz die SAS.
024.8 Geprüfte Zeichen im Vergleich: EU-Umweltzeichen und andereLeseprobe öffnen
| Leitfrage Wenn Ihnen drei Umweltzeichen zugleich angeboten werden: Wissen Sie bei jedem, wer kommt, was er prüft und wie lange das Zeichen gilt? Und welches davon dürften Sie Ihren Gästen überhaupt zeigen? |
Eröffnung
Mitte April, zwei Wochen nach dem Ende der Wintersaison, ist es in Oberhof plötzlich ruhig. Auf den Loipen liegen nur noch graue Streifen, die Langläufer sind abgereist, und an den Fichten am Rennsteig tropft der letzte Schnee. Antje Kießling, 47, nutzt diese Wochen jedes Jahr für alles, was im Winter liegen bleibt. Sie führt seit zwölf Jahren eine Pension am Ortsrand mit 18 Zimmern und 34 Betten, einem Frühstücksraum und einer kleinen Gaststube für die Hausgäste. Im Winter arbeiten sieben Menschen im Haus, im Sommer fünf. Die Gäste sind Wintersportler, Vereinsgruppen, Wanderer und im Sommer viele Familien.
An einem Donnerstagnachmittag legte sie im leeren Frühstücksraum drei Unterlagen nebeneinander. Die erste war ein Merkblatt zum EU-Umweltzeichen für Beherbergungsbetriebe, das sie bei einer Informationsveranstaltung in Erfurt mitgenommen hatte. Es nannte zweiundzwanzig Pflichtkriterien, eine Punktzahl, die man aus Wahlkriterien erreichen muss, und eine Prüfung vor Ort vor der Vergabe. Die zweite war die Broschüre eines Vereins, der ein Umweltzeichen mit eigener Kategorie für kleine Unterkünfte vergibt. Für die Prüfung komme ein unabhängiger Auditor ins Haus, stand darin, und eine Zertifizierungsstelle entscheide über die Vergabe.
Die dritte war eine E-Mail. Ein Unternehmen bot ein «Siegel für nachhaltige Gastgeber» an: ein Fragebogen mit vierzig Fragen, online in einer halben Stunde auszufüllen, das Siegel sofort als Datei für Website und Buchungsportal, dazu ein Jahresbeitrag, der niedriger war als alles andere auf dem Tisch. In der Betreffzeile stand der Satz, an dem sich der Nachmittag entschied: «Ab sofort geprüft nachhaltig – rechtssicher nach den neuen EU-Regeln.»
Der Anlass für die drei Unterlagen war ein Brief aus dem Winter. Ein Busreiseveranstalter, der jedes Jahr Langlaufwochen in Oberhof anbietet und bei Antje im Januar und Februar zwölf Zimmer belegt, hatte angekündigt, im Katalog künftig Häuser mit geprüftem Umweltzeichen besonders zu kennzeichnen. Verlangt hatte er nichts. Aber die zwölf Zimmer über sechs Wochen sind für das Haus ein Viertel des Winters.
Antje hatte im Herbst davor begonnen, ihr Haus nach der Methode aufzuschreiben, die ein Kollege aus dem Thüringer Wald ihr empfohlen hatte: ein Kontext auf einer Seite, fünf Sätze Politik, ein Monatsblatt mit Strom, Gas und Wasser. Seit zwei Wintern liest sie die Zähler ab. Im letzten Jahr waren es 71.000 Kilowattstunden Strom, 236.000 Kilowattstunden Gas und 2.900 Kubikmeter Wasser. Seit einem Jahr gibt es im Frühstücksraum keine Portionspackungen mehr.
Sie schrieb dem Unternehmen mit dem Fragebogen eine kurze Frage zurück: Wer prüft meine Angaben? Die Antwort kam nach einer Stunde. Das System prüfe die Angaben automatisch auf Plausibilität; bei Unstimmigkeiten melde sich ein Mitarbeiter.
Antje las die Antwort zweimal. Dann nahm sie ein leeres Blatt, zog vier Spalten und schrieb links fünf Fragen untereinander: Wer vergibt und wer prüft? Nach welchen Kriterien? Kommt jemand ins Haus? Wie lange gilt es? Worauf beruht es, wenn ich es meinen Gästen zeige? In der Spalte des dritten Angebots blieb nach der Antwort auf die erste Frage kaum noch etwas zu schreiben.
| «Geprüft» stand in allen drei Unterlagen. Wer geprüft hätte, stand nur in zweien. |
Das Problem
Der erste Fehler ist, Zeichen nach dem Wort «geprüft» zu sortieren. Das Wort stand im Merkblatt, in der Broschüre und in der Betreffzeile. Es bedeutet aber dreimal etwas anderes: eine Prüfung vor Ort durch die zuständige Stelle, ein Audit durch einen unabhängigen Auditor mit Entscheidung durch eine Zertifizierungsstelle und eine automatische Prüfung von Angaben, die das Haus selbst macht. Wer nur das Wort liest, vergleicht nichts.
Der zweite Fehler ist, nach dem Preis zu wählen. Der niedrigste Jahresbeitrag gehörte zu dem Zeichen, bei dem niemand kommt. Das ist kein Zufall. Eine Prüfung vor Ort kostet Zeit und Geld, beim Träger und im Haus. Ein Zeichen ohne Prüfung ist billig, weil ihm etwas fehlt.
Der dritte Fehler ist, dem Wort «rechtssicher» zu glauben, weil es in einer Betreffzeile steht. Ob ein Zeichen gegenüber Verbrauchern verwendet werden darf, hängt nach dem deutschen Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb davon ab, ob es auf einem Zertifizierungssystem beruht oder staatlich festgesetzt ist. Was ein Zertifizierungssystem ist, bestimmt das Gesetz in vier Merkmalen. Ein Anbieter kann sie darlegen; mit einem Adjektiv erfüllt er sie nicht.
Der vierte Fehler ist, die Gültigkeit zu übersehen. Das Merkblatt zum EU-Umweltzeichen nannte die Laufzeit der Kriterien nicht auf der ersten Seite, die Broschüre des Vereins nannte gar keine. Ein Zeichen, das im ersten Winter ausläuft oder mit neuen Kriterien neu beantragt werden muss, kostet die Stunden noch einmal.
Der fünfte Fehler ist, die Kriterien für den Prospekt zu halten. Die Broschüre zeigte sechs Beispiele, das Merkblatt eine Zusammenfassung. Geprüft wird aber nach dem vollständigen Katalog. Wer nicht weiß, was dort steht, kann nicht abschätzen, wie viel davon das Haus schon erfüllt.
Der sechste Fehler wäre gewesen, das eigene System zu vergessen. Antje hatte ein Monatsblatt mit Verbrauchszahlen, eine Politik und eine Mappe. Viele Kriterien geprüfter Zeichen fragen genau danach: Verbräuche überwachen, Mitarbeitende einweisen, Gäste informieren. Wer bei null anfängt, rechnet die Stunden doppelt.
Unter allen sechs liegt eine strukturelle Tatsache. Zeichen unterscheiden sich weniger in ihren Logos als in ihrer Prüfung, und die Prüfung steht klein gedruckt. Für ein Haus mit 18 Zimmern gibt es niemanden, der die Kataloge nebeneinanderlegt; die Angebote kommen von denen, die sie verkaufen. So hängt in manchem kleinen Haus das Zeichen, das zuerst angeboten wurde, und nicht das, das am besten passt.
Tabelle 1 — Was auf Antjes Tisch lag und was offen blieb
| Angebot | Was es versprach | Was offen blieb |
| EU-Umweltzeichen, Merkblatt | 22 Pflichtkriterien, Wahlpunkte, Prüfung vor Ort vor der Vergabe | Gebühren; was bei neuen Kriterien geschieht |
| Zeichen eines Vereins, Broschüre | eigene Kategorie für kleine Unterkünfte, unabhängiger Auditor vor Ort | Gültigkeit; vollständiger Katalog |
| Siegel per Fragebogen, E-Mail | sofort «geprüft nachhaltig», «rechtssicher» | wer prüft; worauf das Siegel beruht |
| Brief des Busreiseveranstalters | Kennzeichnung von Häusern mit geprüftem Zeichen | welche Zeichen er als geprüft ansieht |
| Zählerstände seit zwei Wintern | Strom, Gas, Wasser je Monat | welche Kriterien sie schon belegen |
Das Prinzip
Ein geprüftes Zeichen ist so viel wert wie seine Prüfung. Die Prüfung hat drei Teile, und ein Haus kann jeden erfragen: wer prüft, wonach und wo. Wer prüft, entscheidet über die Unabhängigkeit. Wonach geprüft wird, steht im Kriterienkatalog, der öffentlich sein sollte. Und wo geprüft wird, im Haus oder am Bildschirm, entscheidet darüber, ob jemand gesehen hat, was das Haus erklärt.
Dazu kommen zwei Fragen, die über den Prüfvorgang hinausgehen. Wie lange gilt das Zeichen, und was geschieht danach? Und worauf beruht es, wenn das Haus es Gästen zeigt? Die erste Frage entscheidet über die Stunden in den Folgejahren, die zweite über die Werbung. Zusammen ergeben sie die fünf Fragen, die Antje links auf ihr Blatt geschrieben hatte. Sie sind Methode dieses Buches, keine Vorschrift.
Mit diesen Fragen werden die Unterschiede sichtbar. Das EU-Umweltzeichen hat öffentliche Kriterien, die die Europäische Kommission beschlossen hat, eine Prüfung vor Ort durch die zuständige Stelle und eine Laufzeit, die an die Kriterien gebunden ist. Das Zeichen des Vereins hat einen eigenen Katalog, einen Auditor vor Ort und eine getrennte Entscheidung. Das Siegel per Fragebogen hat Fragen, eine automatische Plausibilitätsprüfung und niemanden, der kommt.
Wo die Antworten offen bleiben, bleiben sie offen. Ein Haus muss nicht jede Frage selbst beantworten können. Es muss aber wissen, welche Frage noch offen ist, und sie dem Träger stellen, nicht dem Verkäufer. Was ein Träger auf eine schriftliche Frage nicht beantwortet, ist auch eine Antwort.
Schließlich passt ein Zeichen zu einem Haus, wenn seine Kriterien das prüfen, was das Haus tatsächlich tut. Die Pflichtkriterien des EU-Umweltzeichens beginnen mit den Grundlagen des Umweltmanagements, mit Schulung, Gästeinformation, Wartung und der Überwachung der Verbräuche. Das ist zu einem guten Teil das System, das Antje im Herbst begonnen hatte. Ein Zeichen, dessen Kriterien das eigene System schon trägt, kostet weniger Stunden als eines, für das das Haus neue Listen anlegen muss.
Tabelle 2 — Fünf Fragen an drei Zeichen (Methode dieses Buches)
| Frage | EU-Umweltzeichen | Zeichen des Vereins | Siegel per Fragebogen |
| Wer vergibt, wer prüft? | zuständige Stelle, in Deutschland die RAL | Verein; unabhängiger Auditor; Entscheidung durch eine Zertifizierungsstelle | Unternehmen; automatische Plausibilitätsprüfung |
| Nach welchen Kriterien? | Beschluss (EU) 2017/175: 22 Pflicht-, 45 Wahlkriterien | eigener Katalog mit Kategorie für kleine Unterkünfte | 40 Fragen des Anbieters |
| Kommt jemand ins Haus? | ja, vor der Vergabe; Folgebesuche möglich | ja, Audit vor Ort | nein |
| Wie lange gilt es? | Vertrag nach Laufzeit der Kriterien | beim Träger zu erfragen | ein Jahr, verlängerbar |
| Worauf beruht es gegenüber Gästen? | amtliches Zeichen der Union | vom Träger darzulegen | vom Anbieter darzulegen |
| Zeichen unterscheiden sich nicht im Logo, sondern in der Prüfung. Wer kommt, wonach er prüft und wie lange es gilt, steht nicht auf dem Siegel. |
Downloads
Arbeitsblätter, Checklisten, Vorlagen und ergänzende Dateien zu diesem Buch.
Abschnitt 3.1 Wer prüft, wo jeder alles macht — Arbeitsmaterial
Eine unabhängige Prüferin finden: drei Wege, ihre Grenzen und wer welchen Bereich zuletzt selbst geführt hat.
Abschnitt 3.2 Das Kreuzaudit zwischen zwei Häusern — Arbeitsmaterial
Die Vereinbarung für ein Kreuzaudit schreiben: Umfang, was nicht eingesehen wird, Vertraulichkeit, Datenschutz und Wechsel der Rollen.
Abschnitt 3.3 Der externe Auditor auf Zeit — Arbeitsmaterial
Einen externen Auditor auf Zeit beauftragen: Ziel, Kriterien, Umfang, Tag und Bericht, und das Prüfen vom Beraten getrennt.
Abschnitt 3.4 Das Auditprogramm für ein Haus mit zwei Saisons — Arbeitsmaterial
Das Auditprogramm auf einer Seite für zwei Saisons: ein Termin im laufenden Betrieb, einer in der Zwischensaison, nach Risiko geordnet.

